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20. Juli 2007
Vortrag: "Begegnungen von Ost und West"


 
Die Begegnung der Europäer mit Ostasien war eine gewaltige Herausforderung an den europäischen Geist, an seine Aufnahmefähigkeit und an seine ethische Substanz. So spiegelt sich in der Geistesgeschichte der europäisch-ostasiatischen Begegnungen nicht allein das europäische Überlegenheitsgefühl wider, sondern vielmehr die inneren Spannungen, die dieses Zusammentreffen ausgelöst hat, und die Versuche, diese Spannungen intellektuell zu bewältigen.
Die konfuzianische Gesellschaft Ostasiens, so wie sie im 17. Jahrhundert zum erstenmal von Europa wahrgenommen wurde, stellte sich als geradezu ideales zivilisatorisches Gegenmodell Europas dar. Seitdem ist diese Welt im Bewusstsein Europas lebendig geblieben. Die Wahrnehmung schwankt allerdings erheblich zwischen Bewunderung, Verachtung, Mitleid, ja sogar Angst. Stets aber war sie Gegenbild Europas –"Anti-Europa", das heißt "eine hochkomplexe Zivilisation, deren auffällige Eigenarten in vergleichender Betrachtung die Besonderheiten des Westens um so deutlicher hervortreten ließen".
Für Leibniz, von dem die Bezeichnung "Anti-Europa" für China stammt, war der konfuzianische Kulturkreis Ostasiens mit China in seinem Mittelpunkt das "Europa des Ostens". Für Max Weber war die konfuzianische Kultur Chinas das hochkulturell Andere schlechthin, "ein radikal entgegengesetztes System der Lebensreglementierung, ja eine andere Welt". Zwischen dem "Europa des Ostens" von Leibniz und dem China von Max Weber liegen allerdings Welten – europäische Welten.
Der Vortrag behandelt Paradigmenwechsel in der deutschen Rezeption der konfuzianischen Gesellschaft. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die positive und offene Einstellung der Generation von Leibniz und Wolff, die ihr völlig entgegengesetzte Haltung der Generation von Hegel und seinen Nachfolgern und die neuerlich positive Bewertung des Konfuzianismus zum Ende des 20. Jahrhunderts zu begreifen sind.

PD Dr. Eun-Jeung Lee hat 2001 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg habilitiert. Die Habilitation „’Anti-Europa’ - Die Geschichte der Rezeption des Konfuzianismus und der konfuzianischen Gesellschaft in Europa seit der frühen Aufklärung“ ist beim Lit-Verlag 2003 (Münster-Hamburg) erschienen. Zur Zeit unterrichtet sie als Privatdozentin in Halle, lebt in Seoul, Korea.



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