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22. August 2010
Galerie on Tour mit der Ausstellung: Die utopischen Indianerstädte der Jesuiten in den Urwäldern Südamerikas.


 
Die Ausstellung Die utopischen Indianerstädte der Jesuiten in den Urwäldern Südamerikas gastiert vom 2. Juli bis 22. August 2010 in der Walloner-Kirche in Magdeburg. Wenig bekannt ist, dass die Jesuiten mit Beginn des 17. Jahrhunderts im heutigen Grenzgebiet von Bolivien, Paraguay und in Nordargentinien Missionen gründeten. Dabei zählen eine Reihe von ihnen heute zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Jesuiten kamen infolge der Eroberung Südamerikas durch die Spanier. Das Einmalige an dieser 150 Jahre dauernden Missionstätigkeit war die Gründung von Landstädten, sog. Jesuitenreduktionen, in denen die Missionare zusammen mit den Indianern lebten. Im behutsamen Umgang der mit den indianischen Sprachen und der Mentalität vertrauten Jesuiten entwickelten diese eine eigenständige Lebensform im christlichen Glauben: Gemeinschaftliches Wirtschaften, der weitgehende Verzicht auf Privateigentum verbunden mit der Anschauung von der Gleichheit aller Menschen kennzeichneten diese Lebensweise. Die Landstädte waren in unterschiedlicher Architektur, jedoch stets mit großer Kunstfertigkeit in sich ähnelnden Grundrissen angelegt. Unter Anleitung der Missionare entwickelten die Indianer außerordentliche Fähigkeiten als Steinmetze und in der Kunst der Holzbearbeitung. Die Jesuiten hatten erkannt, dass die Indianer sehr empfänglich für Musik und Theater waren und machten sich dies für ihre Missionstätigkeit zu Nutze: Eigene Musik wurde komponiert, der sog. Jesuitenbarock - in Europa weitgehend unbekannt. Die utopischen Indianerstädte erzählen keine Erfolgsgeschichte mit Happy End. Die Landstädte der Jesuiten waren wirtschaftlich überaus erfolgreich. Und sie boten den Indianern Schutz vor Sklavenhändlern. Damit machte man sich Neider und Feinde. Gut 150 Jahre nach der ersten Gründung fand diese Form der Missionstätigkeit ein abruptes Ende: Der spanische König ließ die Jesuiten gefangen setzen und nach Europa zurückbringen. Ihre Städte zerfielen. Heute werden sie wiederentdeckt und restauriert. Die Ausstellung zeigt die Architektur bedeutender Missionsstädte in Argentinien, Bolivien und Paraguay und versucht eine geschichtliche Einordnung. Leihgaben der Jesuitenmission in Nürnberg ergänzen die Exposition.


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